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'Blackface' in LSBTIQ Communities

 

Rassismus ist ein alltägliche Erfahrung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und inter* sowie queeren (LSBTIQ) People of Color und Schwarzen LSBTIQ in Europa. Blackface ist Teil dieses alltäglichen Rassismus und findet in LSBTIQ-Communities beispielsweise auf Demos und Partys, bei Straßenfesten und anderen Veranstaltungen statt. Blackface wird in Deutschland nach wie vor offen praktiziert und selten als rassistisch oder problematisch betrachtet. Wenn Kritik an Blackface geäußert wird, dann wird diese Praxis leider von vielen noch gerechtfertigt. Auch LSBTIQ Communities haben dieser Praxis bislang wenig entgegengesetzt, obwohl es regelmäßig zu Diskriminierung von Schwarzen_LSBTIQ_of_Color führt. In diesem Text versuchen wir unsere Sicht zu Blackface zu verdeutlichen und Empfehlungen für einen Umgang zu formulieren.



Was ist 'Blackface'?

Von 'Blackface' wird gesprochen, wenn eine weiße Person eine Schwarze Person oder Person of Color auf eine Art und Weise darstellt, bei der koloniale bzw. rassistische Stereotype über diese Person (wieder) hergestellt werden.  Der Begriff ‚Blackface’ kommt aus den USA, wo im 19. Jahrhundert zu Zeiten der Versklavung Schwarzer Menschen weiße Performer_innen sich mit schwarzer Farbe angemalt haben und als vermeintlich Schwarze Personen für weißes Publikum aufgetreten sind. Die Geschichte des Blackfaces in Europa reicht bis ins 16./17. Jahrhundert und somit zu den Anfängen des europäischen Kolonialismus zurück, wo beispielsweise in Shakespeare-Aufführungen weiße Personen Schwarze dargestellt haben.
Wir gehen von einem breiten Verständnis von ‚Blackface‘ aus: wir verstehen  nicht nur Darstellungen als ‚Blackface’, in der es um das Schwarzmalen von Gesichtern geht. Wenn eine weiße nicht-muslimische Person sich das Gesicht oder Haut mit schwarzer Farbe bemalt oder eine Afro-Perücke trägt, mit Kopftuch auf die Bühne tritt, mit so genanntem ‚chinesischen Akzent’ spricht, oder mit Federn im Haar ‚Native American’spielt, sind das typische Beispiele von ‚Blackface’. 
Dabei wird die ganze Gruppe mit einem vereinfachten Bild ersetzt.  Deren vielfältige Lebensrealitäten werden ausgeblendet und der Fokus wird nur auf einen einzigen Aspekt, wie z.B. die Hautfarbe, gelegt.
Negative, vereinfachende, unterdrückende bis hin zu aggressiven, gewalttätigen Bildern werden reproduziert. Blackface ist rassistisch und diskriminierend nicht nur denen gegenüber, die das Blackface vermutlich darstellen soll, sondern auch allen gegenüber, die von Rassismus betroffen sind. Blackface diente zur Rechtfertigung der Unterdrückung von Menschen, die kolonialisiert und/oder versklavt wurden. Blackface dient auch heute noch zur Stigmatisierung von Schwarzen und People of Color und als Rechtfertigung für Rassismus.
Diese stereotypen Bilder sind nach wie vor präsent im öffentlichen Raum, wie Medien, Werbung, Musikvideos, auf Straßenfesten, Demos und Partys. Hier sind häufig weiße Personen in Blackface zu sehen, wie sie unterschiedliche Schwarze oder People of Color darstellen. Gleichzeitig sind aber nicht-weiße Personen in Mainstream-Medien kaum zu sehen. Es ist ein Zeichen von Rassismus, dass die negative oder exotisierende Darstellung von Schwarzen Menschen oder People of Color zu stereotypen Wahrnehmungen von allen Schwarzen oder People of Color führt. Im Gegensatz dazu führt eine negative Darstellung von weißen Personen zu keiner negativen Wahrnehmung aller weißen Menschen gezogen.
Schwarze und People of Color, die durch Kolonialisierung und Versklavung unterdrückt wurden, werden heute weiter diskriminiert und benachteiligt und ihre Möglichkeit zur Selbstbestimmung wird verweigert. Durch 'Blackface' werden ungleiche Machtverhältnisse verstärkt statt sie abzubauen: Schwarze und People(s) of Color werden von weißen im öffentlichen Raum dargestellt statt dass die Communities selbst präsent sind und für sich sprechen. 



Was hat Blackface mit LSBTIQ Communities zu tun?

Viel!  Leider ist Rassismus im queeren Kontext häufig präsent, auch öfters unbewusst.  Blackface, kulturelle Aneignung und diskriminierende Sprache kommen oft vor.
Auch wenn keine Absicht da ist, rassistisch zu sein, tritt Blackface immer wieder in queeren Szenen auf. Bei manchen Demonstrationen tragen weiße nicht-muslimische Menschen Kopftücher, um Muslim_a darzustellen oder malen ihre Haut schwarz und tragen Perücken, um Schwarze darzustellen.
Auch bei Drag ist es wichtig, für rassistische Stereotype sensibel zu sein. In der queeren Geschichte wird durch Drag ein politischer Widerstand geleistet, indem Geschlechtergrenzen in Frage gestellt werden. Wenn aber ‚Blackface‘ Teil von Drag-Kostümen und Drag-Praxis wird, ist dies kein Widerstand mehr, sondern rassistische Diskriminierung. Auch hier gilt: Die Darstellung von Schwarzen und People of Color durch weiße Menschen ist ‚Blackface’ und damit rassistisch.



Zur Geschichte von Blackface

In den USA haben sich im 19. Jahrhundert, also noch zu Zeiten der massenweisen Versklavung von Schwarzen Menschen, bei sogenannten ‚Minstrel Shows’ weiße Performer_innen sich das Gesicht mit schwarzer Farbe angemalt und sind als ‚Schwarze' für ein weißes Publikum aufgetreten.  Rassistische Karikaturen von Schwarzen Personen als dumm, lustig, unterwürfig usw. wurden dadurch verbreitet.  Als echte Menschen mit vielschichtigen Persönlichkeiten kamen sie nie vor. Stattdessen wurden sie als stereotype Charaktere dargestellt, deren Wert nur Entertainment, Tanzen und Singen war.  Für viele weiße war dies das erste oder einzige Bild von Schwarzen Personen, das sich rassistisch auf die Begegnung von Schwarzen Menschen auswirkte.
Die 'Minstrel Shows', die diese Stereotypen massenweise verbreiteten, sind nur einer von vielen Mechanismen, die die weiße Kolonialherrschaft benutzte, um Schwarze Menschen über Jahrhunderte zu unterdrücken. Durch diese Stereotypen wurde die weiße Bevölkerung davon überzeugt, dass solche Unterdrückung gerechtfertigt war. Stereotypen waren genauso Teil der Unterdrückung  in verschiedene Ländern Asiens, Afrikas, Süd- und Nordamerikas, Australiens, Nahen Osten, und überall wo koloniale Regierungen herrschten.
Obwohl das Wort 'Blackface', das heutzutage häufig benutzt wird, aus den USA kommt, existiert auch eine Geschichte von Blackface in Europa, die viele Jahrhunderte früher anfing.  In den Zeiten von Shakespeare (16./ 17. Jahrhundert) und somit zu Beginn des europäischen Kolonialismus wurden Schwarze von weißen in Blackface gespielt, und die Charaktere waren genauso einseitig und rassistisch wie die Rollen, die später in Minstrel Shows erschienen. Auch heute wird an deutschen Theatern diese Praxis weitergeführt. Aus den Auseinandersetzungen um die rassistische Blackface-Inszenierung und anschließende Debatte am Berliner Schlossparktheater ist die Gruppe Bühnenwatch hervorgegangen, die sich zum Ziel gesetzt hat, rassistische Bühnenpraktiken zu verhindern (Link zur Webseite: http://buehnenwatch.com/).



Was tun?

Es ist wichtig, auf alle Fälle auf Blackface zu verzichten! Egal ob Party, Demo, oder Straßenfest, um einen politisches Statement zu äußern oder nicht, setzt euch mit eigenen Privilegien auseinander, wenn ihr euch verkleidet. 
Auch die aktive Beteiligung von Schwarzen und People of Color in der queeren Szene ist wichtig. Wenn bei einer Veranstaltung wenige aus der Schwarzen/POC Community dabei sind, aber weiße Personen in Blackface, dann ist es wichtig, die Frage zu stellen: Welche Ausschlüsse oder diskriminierende Strukturen führen dazu, dass sie nicht anwesend sind?
Und bei kritischen Auseinandersetzungen mit und Analysen von Blackface ist es wichtig, die Praxis nicht zu wiederholen, indem z.B. durch Fotos, Videos, usw. Menschen in Blackface gezeigt werden.
Für mehr Infos über diskriminierungssensible Veranstaltungen organisieren gibt es hier.



Weitere Infos (Links):

 



Quelle: http://www.lesmigras.de