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Leitfaden für Beschwerdebriefe

Beschwerdebriefe bieten Ihnen die Möglichkeit, schriftlich auf erlebte oder wahrgenommene Diskriminierungssituationen hinzuweisen. Sie können Ihre Situation schildern, Forderungen stellen oder um eine Stellungnahme bitten.
Bei LesMigraS unterstützen wir Sie gerne beim Formulieren eines solchen Briefes und/ oder schreiben Beschwerdebriefe als Beratungsstelle. Außerdem bieten wir Beratung zum weiteren Vorgehen und beim Umgang mit Antwortschreiben.

 

Beschwerdebrief in Kürze:

Hier finden Sie die wichtigsten Punkte in Kürze, ausführlicher weiter unten:

  • Beschreiben Sie in einem ersten Absatz kurz, was Ihnen passiert ist und weswegen Sie den Brief schreiben. Schildern Sie dann, was genau vorgefallen ist.
  • Formulieren Sie, was Sie fordern oder sich wünschen.
  • Setzen Sie eine Frist für eine Rückantwort, in der Regel zwei Wochen.
  • Machen Sie ggf. Ihre Ansprüche nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz geltend (Formulierungen siehe unten). Dabei müssen Sie eine Frist von zwei Monaten einhalten.


An wen richtet sich der Beschwerdebrief?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder senden Sie den Brief direkt an die Person/ die Stelle, durch die sie direkt diskriminiert wurden. Oder Sie senden das Schreiben an die nächsthöhere Stelle: Das kann der_die Vorgesetzte sein, das Polizeipräsidium, eine Senatsverwaltung. In manchen Institutionen gibt es auch eine spezifische Beschwerdestelle, an die Sie ihren Brief schicken können. Wir können Sie dabei unterstützen, den_die passende Adressat_in für Ihr Schreiben zu recherchieren.
Außerdem können Sie Ihren Beschwerdebrief anderen Stellen zur Kenntnisnahme zusenden. In Berlin könnten Sie beispielsweise Ihren Brief auch an die Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung senden. Bitte verweisen Sie dann in Ihrem Beschwerdebrief darauf, an wen Sie eine Kopie des Schreibens senden werden.


Was ist passiert? Warum schreiben Sie den Beschwerdebrief?

In einem ersten Absatz ist es gut, wenn Sie kurz und knapp schildern, warum Sie den Brief schreiben. Über was möchten Sie sich beschweren? Welche Diskriminierung haben Sie erfahren?
In einem zweiten längeren Absatz können Sie dann ausführlich schildern, was genau vorgefallen ist. Wann und wo haben Sie die Diskriminierung erfahren bzw. was haben Sie als Diskriminierung erlebt (bspw. rassistische Werbung)? Wer hat Sie in welcher Weise diskriminiert? Welche Auswirkungen hatte die Diskriminierung auf Sie und/ oder andere? Was ist Ihre Perspektive? Was möchten Sie außerdem noch mitteilen?


Welche Forderungen, Erwartungen oder Wünsche haben Sie?

Wie möchten Sie, dass mit der Situation umgegangen wird? Haben Sie konkrete Forderungen nach Schadensersatz? Möchten Sie eine Entschuldigung? Wünschen Sie sich ein Gespräch?
Falls Ihre Diskriminierung in den Bereich des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) fällt (das sind in der Regel Diskriminierungen, die Sie im Arbeitsleben, bei der Wohnungssuche oder bei Vertragsabschlüssen und bei Dienstleistungen erfahren), haben Sie die Möglichkeit aus Unterlassung bzw. Entschädigung zu klagen. Die gesetzliche Frist ist, dass Sie den Beschwerdebrief innerhalb von zwei Monaten nach Bekanntwerden der Diskriminierung senden. Sie können sich gerne bei uns dazu beraten lassen, ob eine Diskriminierung nach dem AGG vorliegt und welche Vorgehensmöglichkeiten Sie besitzen.
Ein entsprechender Satz in Ihrem Beschwerdebrief könnte wie folgt lauten:
„Ich behalte mir mit diesem Schreiben auch die Möglichkeit einer Klage nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) auf Unterlassung und ggf. Entschädigung offen und mache miene Ansprüche nach §21 Abs. 1 und 2 AGG formal geltend.“


Wann möchten Sie eine Antwort erhalten?

Es ist gut, eine Frist für ein Antwortschreiben zu setzen. In der Regel ist diese zwei Wochen.


Wie möchten Sie mit dem Schriftwechsel umgehen?

Sie können sich vorbehalten, den Schriftwechsel zu Zwecken der Dokumentation oder Aufklärung zu veröffentlichen. Dann ist es wichtig, darauf in Ihrem Brief hinzuweisen.


Wie möchten Sie mit dem Antwortschreiben umgehen?

In den meisten Fällen können Sie mit einem Antwortschreiben auf Ihren Beschwerdebrief rechnen. Allerdings fällt diese Antwort nicht immer so aus, wie Sie sich diese gewünscht haben. Es ist wichtig, dass Sie mit einer nicht-zufriedenstellenden Antwort nicht allein bleiben. Sie können sich gerne an LesMigraS wenden, um darüber zu sprechen und nach weiteren Handlungsmöglichkeiten gemeinsam zu suchen.

Quelle: http://www.lesmigras.de